Mein wahrer Freund C1. Buch

Des Hl. Johannes Chrysostomus († 407)
Sechs Briefe über das Priestertum / De sacerdotio libri I-VI 

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Kapitel I. Kapitel II. Kapitel III. Kapitel IV. Kapitel V. Kapitel VI. Kapitel VII. Kapitel VIII. Kapitel IX.

 

1. Buch

Kapitel I.  

Wohl hatte ich das Glück, viele echte und wahre Freunde zu besitzen, welche die Gesetze der Freundschaft genau kannten und sie auch getreu befolgten. Einer jedoch unter ihnen übertraf an Liebe zu mir alle übrigen, indem er es sich angelegen sein liess, die anderen ebenso sehr zu überflügeln, als diese wieder jene, die gar nicht in näherer Beziehung zu mir standen. Man kann von ihm sagen, dass er eigentlich zu keiner Zeit von meiner Seite wich. Denn wir widmeten uns denselben Wissenschaften und genossen den Unterricht derselben Lehrer. Dabei zeigten wir auch den nämlichen Fleiss und Eifer für die Wissensgebiete, um die wir uns bemühten; unser ganzes Streben war eines und dasselbe, herausgewachsen aus den gleichen Verhältnissen. Denn nicht bloss solange wir zusammen die Schulen besuchten, auch als wir, von da ausgetreten, uns zu entschliessen hatten, welchen Lebensweg wir nunmehr am besten einschlagen sollten, zeigte sich hinwiederum Übereinstimmung unserer Neigungen. 
 

Kapitel II.  

Es kamen noch andere Umstände hinzu, um unsere Einigkeit unzerreissbar und fest zu erhalten. Denn keiner von uns hatte Grund, sich ob der Grösse seiner Vaterstadt über den anderen zu erheben, und während ich nicht übermässigen Reichtum besass, lebte jener nicht in äusserster Armut, so dass auch das Mass unseres Vermögens der Gleichheit unseres Strebens entsprach. Gleich angesehen war auch unsere beiderseitige Abstammung, und somit stimmte alles mit der Eintracht unserer Gesinnung zusammen. 
 

Kapitel III.  

Als es aber galt, sich dem glückseligen Leben der Mönche und der wahren Philosophie hinzugeben, da blieb unsere Wage nicht mehr im Gleichgewicht; seine Wagschale schnellte als die leichtere in die Höhe. Ich, der ich noch von den Begierden der Welt gefesselt war, drückte die meinige abwärts und liess mich in den tieferen Niederungen des Lebens festhalten, indem ich meine Wagschale mit jugendlichen Einbildungen beschwerte. Wohl blieb auch dann noch unsere Freundschaft bestehen wie früher; mit unserem bisherigen trauten Beisammensein jedoch war es vorbei. Denn da wir nicht mehr demselben Ziele zustrebten, konnten wir uns un- möglich ferner den gleichen gemeinschaftlichen Beschäftigungen hingeben. Als ich aber selbst ein wenig aus den Wogen des weltlichen Treibens emportauchte, da streckte er mir sofort beide Hände entgegen, um mich wieder an sich zu ziehen; so einfach jedoch vermochten wir die frühere Harmonie nicht wieder zu erlangen. Denn weil er mir nicht nur der Zeit nach voraus war, sondern dazu auch noch einen ungestümen Eifer entwickelt hatte, schwang er sich über mich hinaus zu einer beträchtlichen Höhe empor. 

Kapitel IV.  

Indessen, da er bei seiner ausserordentlichen Herzensgüte meine Freundschaft hochschätzte, gab er den Umgang mit allen anderen Gefährten auf, um beständig nur mit mir zusammen sein zu können. Das hatte er zwar auch schon früher gewünscht, war jedoch, wie gesagt, durch meinen Leichtsinn daran gehindert worden. Denn unmöglich konnte derjenige, der an den Gerichtshöfen sich herumtrieb und mit Leidenschaft sich den Vergnügungen der Schaubühne hingab, des öfteren mit dem zusammenkommen, der, völlig in seine Bücher vergraben, nicht einmal auf dem Forum mehr erschien. Als wir nun nach zeitweiliger Trennung die alte Lebensgemeinschaft wieder aufgenommen hatten, da reifte auch sofort der Wunsch, den er schon längst mit sich herumgetragen. Er vermochte es nämlich nicht, auch nur einen Augenblick des Tages von mir ferne zu sein. Beständig drang er deshalb in mich, wir sollten jeder sein eigenes Haus verlassen und dann beide zusammen eine gemeinschaftliche Wohnung beziehen. Es gelang ihm auch wirklich, mich zu überreden, und der Plan war bereits der Ausführung nahe. 
 

Kapitel V.  

Allein die fortwährenden Zusprüche meiner Mutter hinderten mich, ihm diesen Gefallen zu erweisen oder vielmehr aus seiner Hand dieses Geschenk anzunehmen. Denn als sie mein Vorhaben merkte, da ergriff sie mich bei der Rechten und führte mich in das ihr vorbehaltene Gemach. Nachdem sie Platz genommen neben dem Lager, auf dem sie mich mit Schmerzen geboren, vergoss sie Ströme von Tränen und fügte Worte hinzu, die noch innigeres Mitleid erregten als die Tränen. Unter Weinen und Klagen sprach sie folgendes zu mir: Nicht lange, mein Kind, war es mir nach dem Willen Gottes vergönnt, mich deines trefflichen Vaters zu freuen. Auf die Geburtswehen, die ich um dich erduldet habe, folgte bald sein Tod, der frühe dich zur Waise, mich zur Witwe gemacht und mir damit zugleich die Leiden des Witwenstandes beschert hat, für die nur jene ein richtiges Verständnis haben können, welche selbst sie ertragen mussten. Keine Worte vermögen ja das Sturmesbrausen und die hochgehenden Wogen zu schildern, denen eine junge Frau ausgesetzt ist, die, eben erst aus dem väterlichen Hause getreten und unerfahren in den Geschäften der Welt, plötzlich von unsagbarem Schmerze betroffen wird und sich von Sorgen umringt sieht, die für ihr Alter und ihr Geschlecht viel zu schwer sind. Sie muss sich bekanntlich gegen Nachlässigkeiten von Seiten der Dienstboten wenden, ihren Bosheiten entgegentreten, hinterlistige Ränke von Verwandten vereiteln, die Bedrückungen und die Härte der Steuereinnehmer beim Bezahlen der Abgaben ruhigen Mutes auf sich nehmen. Hat aber der verstorbene Gatte bei seinem Hinscheiden gar ein Kind hinterlassen, so wird auch ein Mädchen der Mutter viele Sorgen bereiten, immerhin jedoch keinen Kostenaufwand und keine bange Furcht verursachen. Ein Sohn hingegen erfüllt sie tagtäglich mit tausenderlei Ängsten und grösserer Besorgnis, ohne zu gedenken der Ausgaben an Geld, die sie nicht scheuen darf, wenn anders sie ihn zu einem gebildeten Manne erziehen will. Aber trotzdem hat keine dieser Schwierigkeiten mich dazu verleitet, eine zweite Ehe einzugehen und einen neuen Gatten in das Haus deines Vaters einzuführen; ich harrte vielmehr aus in Sturm und Drang und floh nicht vor dem eisernen Schmelzofen der Witwenschaft. In erster Linie wurde mir Hilfe durch die Vorsehung von oben. Es war mir aber auch in meiner traurigen Lage ein nicht geringer Trost, dass ich beständig in dein Antlitz schauen konnte und mir in dir das lebendige und aufs getreueste wiedergegebene Abbild des verstorbenen Gatten heranzog. Du hast mir deshalb als kleines Kind, da du noch nicht sprechen gelernt hattest, in einem Alter, in welchem die Sprösslinge den Eltern am meisten Freude machen, vielen Trost gewährt. Auch den Vorwurf kannst du keineswegs gegen mich erheben, dass ich zwar die Witwenschaft heldenmütig ertragen, aber ob deren Not dir das väterliche Erbgut geschmälert hätte, was, wie ich weiss, vielen von denen, die von dem Unglück der Verwaisung getroffen worden, widerfuhr. Ich habe vielmehr dein ganzes Vermögen ungekürzt erhalten, und doch habe ich es in keiner Beziehung an dem fehlen lassen, was zu deiner gediegenen Erziehung aufzuwenden nötig war. Mit meinem eigenen Vermögen und mit dem, was ich aus dem Elternhause mitgebracht, habe ich alle diese Ausgaben bestritten. Glaube ja nicht, dass ich das vorbringe, um dir etwa Vorwürfe zu machen; o nein, für all dies bitte ich dich nur um einen einzigen Gefallen, lass mich nicht zum zweiten Male zur Witwe werden, wecke den jetzt eingeschlafenen Schmerz nicht von neuem wieder auf, sondern warte auf mein Ende. Voraussichtlich werde ich ohnehin schon nach kurzer Zeit sterben. Für die Jugend winkt noch die Hoffnung, ein hohes Greisenalter zu erreichen; wir Bejahrte aber haben nichts anderes mehr zu erwarten als den Tod. Hast du mich dann der Erde übergeben und meine Gebeine mit denen deines Vaters vereint, so kannst du weite Reisen unternehmen und ganz nach Herzenslust das Meer befahren; niemand wird dich dann daran hindern. Solange ich jedoch atme, verschmähe es nicht, mit mir zusammenzuwohnen; versündige dich nicht leichtsinnig und ohne Grund gegen Gott, indem du mich, die ich an dir nichts verschuldet, einem solchen Unglücke preisgibst. Wenn du Ursache haben solltest, gegen mich den Vorwurf zu erheben, dass ich dich in weltliche Sorgen verstricke und dich nötige, die Verwaltung meines Vermögens zu übernehmen, dann achte nicht die Gesetze der Natur, nicht die dir zuteil gewordene Erziehung, nicht unser langjähriges Zusammensein, noch sonst irgendetwas anderes, sondern fliehe mich wie deinen hinterlistigen Feind. Setze ich aber alles daran, um dir soviel als möglich Musse zu verschaffen zu der von dir eingeschlagenen Lebensart, so möge, wenn nichts anderes, wenigstens dieses Band dich bei mir festhalten. Denn magst du auch sagen, dass Tausende dich gerne liebevoll aufnehmen würden, niemand wird dich im Genüsse einer so grossen Freiheit lassen wie ich. Kann es doch überhaupt niemand geben, dem dein Wohlbefinden ebenso sehr am Herzen liegen würde als mir. 

Kapitel VI.  

Das und noch mehr dergleichen stellte meine Mutter mir vor. Als ich meinem edelsinnigen Freunde genau darüber berichtete, liess er sich dadurch nicht nur nicht irre machen, er setzte mir sogar noch mehr zu, die alte Bitte immer von neuem wiederholend. Mitten in solch ungeklärter Lage, während nämlich er nicht aufhörte, immer wieder in mich zu dringen, ich aber mich beharrlich weigerte, da brachte uns beide ein plötzlich entstandenes Gerücht in Verwirrung, das Gerücht, dass man uns zur bischöflichen Würde erheben wolle. Als ich diese Kunde vernahm, wurde ich von Furcht und Zagen befallen: von der Furcht, ich möchte auch wider meinen Willen erhoben werden; von Zagen, so oft ich darüber nachgrübelte, wie es denn gekommen, dass die Wähler ihr Augenmerk gerade auf meine Person richteten. Denn wenn ich mich selber beobachtete, fand ich an mir gar nichts, das einer solchen Ehre mich würdig gemacht hätte. Da kam mein Freund in seinem Edelmute aus eigenem Antriebe zu mir, um mir Mitteilung zu machen von dem Gerüchte, in der Meinung, dass ich noch nichts davon wüsste, und bat, wir möchten auch in dieser Sache wie bisher eines Sinnes und eines Handelns befunden werden. Denn er selbst würde mir bereitwilligst folgen, welchen Weg ich auch einschlagen wolle, gelte es nun zu fliehen oder anzunehmen. Da ich somit seine Bereitwilligkeit merkte und auch dafür hielt, es würde für das gesamte Gemeinwohl der Kirche einen unberechenbaren Schaden bedeuten, wenn ich einen so trefflichen und für die Leitung der Seelen, so geeigneten jungen Mann aus Rücksicht auf meine eigene Schwäche der Herde Christi entzöge, so verhehlte ich ihm hierüber meine eigentliche Meinung, während ich es früher niemals über mich vermocht hätte, ihn über irgendeinen meiner Entschlüsse im unklaren zu lassen. Ich erklärte ihm vielmehr, wir könnten die Beratung darüber ganz gut auf einen anderen Zeitpunkt verschieben, zumal die Angelegenheit augenblicklich nicht eile. So beredete ich ihn, sich zunächst darüber keine weiteren Sorgen zu machen, und betreffs meiner Person brachte ich ihm die Zuversicht bei, dass ich einig und gemeinsam mit ihm handeln würde, wenn man wirklich etwas Derartiges mit uns vorhaben sollte. Als kurze Zeit darauf jemand erschien, der uns weihen wollte, versteckte ich mich. Mein Freund aber, der nichts davon wusste, wurde unter einem anderen Verwände weggeführt und nahm die Bürde auf sich in der Hoffnung, dass ich, wie ich ihm versprochen hatte, auf jeden Fall folgen werde oder vielmehr in der Meinung, ich sei ihm bereits vorangegangen. Denn als einige der dort Anwesenden sahen, wie sehr unwillig und betrübt er war, als man ihn mitnehmen wollte, da täuschten sie ihn, indem sie laut bemerkten, es sei doch ungereimt, dass derjenige, welcher bei allen als der dreistere gelte — wobei sie mich meinten —, ganz fügsam dem Urteil der Väter nachgegeben habe, während er selbst, der doch sonst viel verständiger und billiger zu urteilen wisse, sich nunmehr trotzig zeige und unter allerlei Ausreden und Protesten sich davonzumachen suche, um nichtiger Ehre nachzujagen. Auf diese Worte hin fügte er sich. Nachdem er aber nun nachträglich vernahm, ich sei entflohen, kam er ganz niedergeschlagen zu mir und setzte sich bei mir nieder. Er hatte wohl die Absicht, etwas zu sagen, aber in seinem Unwillen war er nicht imstande, die Gewalttat, die ihm widerfahren war, in Worte zu fassen. Er versuchte den Mund zu öffnen, sah sich jedoch am Sprechen gehindert aus Niedergeschlagenheit, die ihm das Wort abschnitt, bevor es über die Lippen kam, Da ich ihn nun so in Tränen gebadet und von der tiefsten Gemütserschütterung angegriffen sah, auch um die Ursache wusste, da fing ich vor lauter Freude zu lachen an, ergriff seine Rechte und fühlte mich gedrungen, sie zu küssen. Dabei pries ich Gott, dass meine List ein so gutes Ende genommen, genau so, wie ich es nur immer wünschen konnte. Da er mich so überaus beglückt und heiter gewahrte und dies, obwohl er die Empfindung hatte, kurz zuvor von mir getäuscht worden zu sein, da wurde er noch mehr betrübt und erbittert. 

 

Kapitel VII.  

Als er sich endlich ein wenig von dieser seelischen Erregung beruhigt hatte, sprach er zu mir: Wenn du auch die ganze Angelegenheit, soweit sie mich betrifft, gering schätzend behandelt hast und auf meine Person keine Rücksicht mehr nimmst — zwar weiss ich nicht, aus welchem Grunde —, so hättest du doch wenigstens auf deinen eigenen Ruf Bedacht nehmen sollen. Nun aber hast du aller Leute Mund geöffnet und alle sagen, dass du aus Verlangen nach weltlicher Ehre das heilige Amt ausgeschlagen hast. Niemand wird dich von dieser Anklage freisprechen. Für mich aber ist es kaum zum Aushalten, wenn ich mich nur öffentlich zeige. Gar viele treten da an mich heran und machen mir Tag für Tag Vorwürfe. Denn wenn ich nur irgendwo in der Stadt gesehen werde, so nehmen meine vertrautesten Freunde mich beiseite und schieben mir den grösseren Teil der Schuld zu. Du wusstest ja, sagen sie, seine Auffassung; denn keine seiner Angelegenheiten war dir ein Geheimnis. Du hättest sie uns also nicht verhehlen sollen, es wäre vielmehr deine Pflicht gewesen, uns davon Mitteilung zu machen, und ganz gewiss hätte es uns dann nicht an einem Anschlag gefehlt, um ihn in unsere Hände zu bekommen. Ich jedoch schäme mich und erröte, jenen zu gestehen, dass ich nichts von deinem schon längst gefassten Entschluss wusste, damit sie nicht etwa unsere Freundschaft für blossen Schein halten- Denn wenn sie das ist, und dass sie es tatsächlich ist, kannst du nach deinem letzten Benehmen gegen mich nicht leugnen, so ist es doch angezeigt, dass wir unsere unangenehme Angelegenheit vor denen, die ihr ferne stehen und die sicherlich eine löbliche Meinung von uns haben, verbergen. Ihnen die Wahrheit; zu gestehen und sie über das Verhältnis zwischen uns beiden aufzuklären, trage ich Bedenken. Ich sehe mich vielmehr genötigt, auch fernerhin zu schweigen, den Blick auf den Boden zu richten, den mir Begegnenden auszuweichen und davonzueilen. Denn falls ich auch dem ersten Vorwurf entgehe, so werde ich doch ohne Zweifel in Zukunft der Lüge beschuldigt werden. Niemals nämlich werden sie es mir glauben wollen, dass du auch den Basilius unter diejenigen einreihtest, denen es nicht vergönnt ist, in deine persönlichen Angelegenheiten eingeweiht zu sein. Aber auch davon soll nicht weiter die Rede sein, da du es einmal so gewollt hast. Wie jedoch sollen wir die Schmach der übrigen Anklagen ertragen? Denn die einen beschuldigen dich unsinniger Eitelkeit, die anderen weltlichen Ehrgeizes, wieder andere, die bei ihren Anklagen noch schonungsloser vorgehen, werfen uns beide Fehler zugleich vor und bürden uns ausserdem noch hochmütiges Benehmen gegen die Männer auf, welche uns jene Ehre zugedacht haben. Denen, sagen sie, sei ganz recht geschehen, ja sie hätten verdient, von uns noch grössere Missachtung zu erfahren, da sie so viele bejahrte und tüchtige Männer übergingen und an deren Statt junge Leute, die gestern und vorgestern noch ganz in die Sorgen der Welt verstrickt waren, plötzlich zu einer so hohen Ehrenstellung erheben wollten, die zu erlangen diese nicht einmal im Traume zu erhoffen wagten. Damit sei nur das Eine erreicht worden, dass die Erwählten eine Zeitlang die Stirne runzeln, dunkle Kleider anlegen und niedergeschlagene Augen zur Schau tragen könnten. Dagegen gehören Männer, welche von frühester Jugend an bis ins hohe Greisenalter sich in der Aszese geübt, zu deren Untergebenen. Ihre eigenen Söhne beherrschen sie, die nicht einmal die Gesetze kennen gelernt haben, nach denen ein solches Amt zu verwalten ist. Mit diesen und noch anderen derartigen Vorwürfen setzen sie uns beständig zu. Ich aber weiss nicht, was ich zur Verteidigung darauf erwidern soll; ich bitte deshalb dich, mir zur Seite zu stehen. Denn ich vermag nicht zu glauben, dass du aufs Geratewohl und ohne Grund deine Flucht ausgeführt und dir dadurch so angesehene Männer zu erbitterten Feinden gemacht hast; vielmehr hast du diesen Schritt sicherlich erst nach reiflicher Erwägung und Überlegung unternommen, weshalb ich vermute, dass du auch eine Rede zu deiner Rechtfertigung in Bereitschaft hast. Sage also, ob wir irgendeinen stichhaltigen Entschuldigungsgrund unseren Anklägern gegenüber vorbringen können. Denn für das Unrecht, das ich selbst von dir erfahren habe, für die Täuschungen, die du gegen mich begangen, für den Verrat, den du an mir geübt, obwohl du die ganze Zeit bisher nur Gutes von mir empfangen hast, verlange ich keine Rechenschaft. Hatte ich doch meine Seele dir sozusagen entgegengebracht und geradezu in deine Hände gelegt. Du aber hast gegen mich solche Tücke angewandt, als hättest du dich vor Feinden zu hüten gehabt. In der Tat, wenn du den ganzen Plan als heilsam erkanntest, hättest du auch selbst dich demselben nicht entziehen sollen; dünkte es dir aber als schädlich, dann hättest du auch mich, den du, wie du beständig wiederholtest, immer allen anderen vorzogest, vor dem drohenden Unheil bewahren müssen. Du hast jedoch alles getan, um mich ins Verderben geraten zu lassen; sogar an Arglist und Verstellung liessest du es nicht fehlen und dies demjenigen gegenüber, der gewohnt war, vor dir in allem arglos und offen zu reden und zu handeln. Aber dennoch, wie gesagt, über all das mache ich dir jetzt keinen Vorwurf, ich lege dir auch nicht die Vereinsamung zur Last, in welche du mich dadurch versetzt hast, dass du unserem trauten Zusammensein ein Ende bereitetest, aus dem wir gar oft in ganz ausserordentlichem Klasse sowohl Erholung wie Nutzen geschöpft haben. Dies alles lasse ich beiseite und trage es in Ruhe und ohne Bitterkeit, nicht als ob du bloss gelinde gegen mich gefehlt hättest, sondern weil ich von dem Tage an, da ich innige Freundschaft mit dir schloss, es mir zur Pflicht gemacht habe, dich niemals, selbst wenn du mir Schmerz zufügen solltest, zur Verantwortung zu ziehen. Dass du uns übrigens keinen geringen Schaden zufügtest, das weisst du wohl selber, wenn anders du dich dessen erinnerst, was sowohl unsere Bekannten als auch wir selbst von uns immerfort behaupteten, dass es nämlich für uns ein grosser Vorteil sei, eines Herzens und einer Seele zu sein und durch gegenseitige Freundschaft geschützt zu werden. Ja, allgemein wurde sogar betont, wie unsere Eintracht auch vielen anderen einen nicht unerheblichen Nutzen bringen werde. Ich allerdings habe mir niemals eingebildet, dass etwa der auf meine Person fallende Anteil unserer Freundschaft für andere eine Quelle des Segens sein könnte. Doch war ich der Anschauung, dass wir jedenfalls aus unserer Harmonie den nicht gering anzuschlagenden Gewinn ziehen dürften, von niemanden, wer auch immer uns feindselig gegenübertreten wollte, etwas befürchten zu müssen. Unaufhörlich habe ich dich daran erinnert: Die Zeiten sind schlimm, die Gegner zahlreich, echte Liebe ist geschwunden, an ihrer Stelle hat sich Verderben bringender Neid breit gemacht. Wir gehen umher "mitten unter Fallstricken und wandeln auf Zinnen von Städten", Trifft uns ein Unglück, so sind gar viele geneigt, sich darüber zu freuen; manche liegen so- gar von allen Seiten auf der Lauer und warten darauf. Niemand jedoch wird Mitleid mit uns haben oder höchstens nur sehr wenige. Sieh also zu, dass wir durch unsere Trennung nicht dem allgemeinen Gespötte anheim fallen und, was noch schlimmer ist als Spott, wirklichen Schaden davontragen. "Ein Bruder, vom Bruder gestützt, ist wie eine befestigte Stadt und wie ein wohlgeschütztes Königreich", Löse deshalb doch ja nicht unsere Herzensgemeinschaft und zerstöre nicht den schützenden Riegel. Dies und noch mehr dergleichen sprach ich beständig zu dir, ohne jemals ein derartiges Benehmen von dir zu vermuten. Vielmehr hielt ich dafür, dass deine Gesinnung gegen mich durchaus einwandfrei sei und war darauf bedacht, zu allem Überfluss einen Gesunden zu pflegen, ohne zu ahnen, dass ich, wie es jetzt den Anschein hat, einem Kranken Arzneimittel gereicht habe. Und doch habe ich Bedauernswerter keinen Nutzen davon gehabt und keinen weiteren Vorteil aus meiner allzu grossen Fürsorge erzielt. Denn alle meine Worte hast du auf einmal in den Wind geschlagen, und ohne sie dir zu Herzen zu nehmen, hast du mich wie ein des Balastes entbehrendes Schiff hinausgestossen auf das unermessliche Meer, ganz und gar unbekümmert um die wilden Wogen, denen ich nunmehr unvermeidlich ausgesetzt bin. Wenn mir nämlich einmal von irgendeiner Seite Verleumdung oder Hohn oder eine andere übermütige und schimpfliche Behandlung zugefügt werden sollte — und Derartiges wird mir notwendigerweise öfters begegnen —, zu wem soll ich mich dann flüchten? Wem soll ich meine Niedergeschlagenheit anvertrauen? Wer wird mir helfen wollen? Wer wird die, welche mich betrüben, zurückweisen und weitere Kränkungen verhindern? Wer wird anderseits mich trösten und mich in den Stand setzen, die Verunglimpfungen seitens anderer zu ertragen? Niemand steht mir hierfür zur Verfügung; denn auch du hältst dich von diesem schlimmen Kampfe fern und bist nicht einmal in der Lage, meinen Klageschrei zu hören. Siehst du nun ein, welches Unheil du angerichtet hast? Erkennst du wenigstens jetzt, nachdem du den Schlag geführt, wie tödlich du mich getroffen? Doch das wollen wir beiseite lassen; denn was geschehen ist, kann man nicht mehr ungeschehen machen und für Unzugängliches keinen Zugang finden. Was werden wir aber zu denen sagen, die uns ferne stehen? Was werden wir auf ihre Anschuldigungen zu unserer Rechtfertigung erwidern? 

 
 

Kapitel VIII.  

Sei getrost, entgegnete ich. Denn nicht nur auf deine Fragen bin ich bereit, dir Rede und Antwort zu stehen, sondern auch darüber, worüber du mir die Verantwortung erlassen hast, will ich versuchen, soweit ich es vermag, dir Rechenschaft zu geben. Und wenn es dir genehm ist, will ich zunächst gerade hiermit meine Verteidigung beginnen. Denn ich würde ja widersinnig und nur allzu rücksichtslos handeln, wenn ich, besorgt um das gute Ansehen bei den mir ferne Stehenden, alles tun wollte, um diese Tadler zum Schweigen zu bringen, wenn ich hingegen meinen allerbesten Freund nicht zu überzeugen suchte, dass ich ihm kein Unrecht zufüge, zumal er sich so rücksichtsvoll gegen mich benommen, dass er mir nicht einmal wegen der vermeintlich erlittenen Kränkung Vorwürfe machen wollte, sondern unter Hintansetzung der eigenen Ehre nur mehr auf die meinige bedacht ist. Es wäre dann meine leichtsinnige Gleichgültigkeit ihm gegenüber viel grösser als umgekehrt seine anhängliche Sorge, die er um meinetwillen an den Tag legte. Inwiefern habe ich dir denn jemals Unrecht getan — denn von diesem Punkte aus bin ich entschlossen, die Fahrt in das Meer der Verantwortung anzutreten —, etwa weil ich dich überlistet und dir meine wahre Meinung verheimlicht habe? Es geschah dies jedoch dir, den ich getäuscht, zum Vorteil, und auch zum Vorteil derer, denen ich dich durch List überantwortet habe. Ist nämlich heimliche List überhaupt etwas Böses, und ist es niemals, auch nicht im Notfalle, erlaubt, sich ihrer zu bedienen, so bin ich bereit, jedwede Strafe zu erleiden, welche du willst; oder vielmehr, da du selbst es doch nie über dich gewinnen wirst, Strafe über mich zu verhängen, so will ich in eigener Person mir jene Sühne auferlegen, welche die Richter gegen die Übeltäter erkennen, wenn die Ankläger sie der Schuld überführt haben. Ist aber ein listiger Kunstgriff nicht immer zu verwerfen, sondern wird er je nach der Absicht derer, die sich seiner bedienen, schlecht oder gut, so höre doch auf, mir vorzuwerfen, dass du hintergangen worden seiest, weise mir vielmehr nach, dass ich die fragliche List zu einem schlechten Zweck angewandt habe. Solange jedoch ein solches Motiv fehlt, sollten diejenigen, welche als verständig gelten wollen, keineswegs Tadel und Beschuldigungen vorbringen, sondern sie sollten billigerweise der verständnisvoll angewandten List Beifall zollen. Denn eine rechtzeitige und in der richtigen Absicht vorgebrachte Täuschung hat so grossen Gewinn zur Folge, dass schon oftmals gar manche es büssen mussten, weil sie es an einem listigen Vorgehen fehlen liessen. Prüfe nur einmal die seit alter Zeit berühmt gewordenen Feldherrn, und du wirst finden, dass die meisten ihrer Siege Erfolge angewandter List waren und dass gerade sie mehr gepriesen werden als jene, die im offenen Kampfe den Sieg davongetragen haben. Denn letztere führen die Kriege nur durch bedeutenderen Aufwand an Geld und Menschenleben zu einem glücklichen Ende. Darum erwächst ihnen kein eigentlicher Vorteil aus dem errungenen Siege; vielmehr ist die Lage der Sieger um nichts weniger misslich als die der Unterlegenen, da beider Heere aufgerieben, beider Schatzkammern geleert sind. Dazu kommt, dass die so Besiegten den Siegern den Siegesruhm nicht einmal "ungeschmälert lassen. Denn auch den Gefallenen gebührt es, einen nicht geringen Teil davon für sich zu beanspruchen, weil ihre Seelen den Sieg davontrugen und nur ihre Leiber unterlagen. Wenn es nämlich möglich wäre, tödlich getroffen nicht zu fallen, und wenn nicht der Tod sie zu Boden gestreckt und hinweggerafft hätte, dann würden sie niemals in ihrem entschlossenen Mute gebeugt worden sein. Wer aber durch List zu siegen versteht, der bringt die Feinde nicht bloss ins Unglück, sondern überantwortet sie auch dem Gespötte. Denn während dort beide Teile in gleicher Weise Ruhm davontragen je nach den ihnen zur Verfügung stehenden Kräften, ist dies bei denen, welche sich der Klugheit bedienten, nicht geradeso der Fall. Hier gehört der Siegespreis den Siegern ausschliesslich, und, was nicht geringer anzuschlagen ist, sie bewahren ihrem Vaterlande die Siegesfreude ungetrübt. Denn ein noch so grosser Vorrat an Geldmitteln und die Masse der Krieger hat nicht den gleichen Wert wie die Klugheit des Geistes. Werden erstere im Kriege beständig in Anspruch genommen, so werden sie selbstverständlich allmählich aufgezehrt und gehen schliesslich den Besitzern vollständig aus; diese aber nimmt ihrer Natur nach um so mehr zu, je mehr sie angeregt wird. Nicht nur im Kriege jedoch, auch in Friedenszeiten kann gar oft die Anwendung der List nicht umgangen werden, und dies wie bei den öffentlichen Angelegenheiten des Staates so im häuslichen Familienkreise. Der Mann bedient sich ihrer gegenüber der Frau, die Frau gegenüber dem Manne, der Vater gegenüber dem Sohne, der Freund gegenüber dem Freunde, ja sogar die Kinder gegenüber ihrem Vater, Konnte doch zum Beispiel Sauls Tochter ihren Gatten nicht anders aus den Händen erretten als dadurch, dass sie ihren Vater überlistete, und ihr Bruder nahm, um den von der Gattin geretteten Freund aus einer neuen Gefahr zu befreien, die nämlichen Waffen der List zu Hilfe, deren diese sich bedient hatte. Aber, unterbrach mich Basilius, das alles passt ja nicht auf mich. Denn ich bin weder dein persönlicher noch dein politischer Gegner. Auch gehöre ich nicht zu denen, welche dir Unrecht zuzufügen suchen, sondern gerade im Gegenteil. Immer habe ich mich in allen meinen Entschlüssen nach deiner Meinung gerichtet und bin dir auf dem Wege gefolgt, den du mich gehen hiessest. 

 Kapitel IX.  

 Mein wundersamer, treuester Freund, diesem Einwurf bin ich ja selbst bereits im voraus begegnet, indem ich erklärte, es sei gut, nicht nur im Kriege und gegenüber den persönlichen Feinden, sondern auch im Frieden und gegen die trautesten Freunde sich der List zu bedienen. Um dich belehren zu lassen, dass sie nicht bloss für die heilsam ist, welche sie in Anwendung bringen, sondern auch für die Überlisteten selbst, gehe zu einem der Ärzte hin und erkundige dich, auf welche Weise sie die Kranken von ihren Leiden befreien.  Und du wirst von ihnen hören, dass sie sich nicht mit ihrer ärztlichen Kunst allein begnügen, sondern dass sie zuweilen auch zur List greifen und mit deren Hilfe dem Kranken tatsächlich wieder Genesung verschaffen. Wenn nämlich das störrische Wesen des Kranken und zugleich die Heftigkeit des Leidens selbst alle Anordnungen der Ärzte erfolglos macht, dann sind sie genötigt, die Maske der Täuschung hervorzuholen, um, wie auf der Bühne, das, was wirklich geschieht, verbergen zu können. Wenn es dir genehm ist, so will ich dir von einem der vielen listigen Kunstgriffe erzählen, welche, wie ich gehört habe, die Ärzte in Anwendung bringen. Es befiel einmal jemanden ein ungemein heftiges Fieber, die Kitze stieg immer mehr. Der Kranke wies alle Mittel zurück, welche das Feuer hätten löschen können; dagegen begehrte er dringend und anhaltend von allen bei ihm Eintretenden, ihm einen Becher ungemischten Weines zu reichen, damit er seine verderbliche Begierde befriedigen könnte. Wenn ihm jedoch jemand hierin willfährig gewesen wäre, dann hätte dies nicht bloss die Glut noch weiter anfachen, sondern den Unglücklichen sogar der Raserei nahe bringen müssen. Da nun in diesem Falle die Wissenschaft in Verlegenheit war, indem sie kein Mittel mehr zur Verfügung hatte, sich vielmehr vollständig ausgeschaltet sah, trat die List an ihre Stelle und erwies sich so wirksam, wie du sofort von mir hören wirst. Der Arzt nahm nämlich ein irdenes Gefäss, das erst kurz vorher aus dem Brennofen gekommen war, tauchte es in reichlich Wein, zog es dann wieder leer heraus, füllte es mit Wasser, befahl, das Gemach, in welchem der Kranke lag, mit vielen Vorhängen dunkel zu machen, damit nicht etwa das Licht die List verraten würde, und gab dem Kranken schliesslich das Gefäss zum Austrinken, als wäre es gefüllt mit ungemischtem Wein. Dieser aber liess sich, bevor er noch das ihm gereichte Getränk in die Hände nahm, von dem ausströmenden Duft ohne weiteres täuschen und dachte nicht einmal daran, es neugierig zu untersuchen, vielmehr durch den Geruch verführt, durch die Dunkelheit betört, von seiner Begierde hingerissen, schlürfte er den Trank hinunter mit heissem Verlangen. Kaum hatte er seine Gier gestillt, da schüttelte er alsbald das Fieber von sich und entging so der drohenden Gefahr, Siehst du nun den Nutzen ein, welchen die Täuschung im Gefolge hat? Wollte jedoch jemand alle listigen Kunstgriffe der Ärzte aufzählen, seine Rede würde an Länge sich ins Unendliche verlieren. Es ist aber leicht zu beobachten, wie nicht nur die Ärzte des Leibes, sondern auch die, welche sich um die geistigen Krankheiten zu sorgen haben, sich fortwährend dieses Heilmittels bedienen. Dadurch hat der selige Paulus viele Tausende unter den Juden gewonnen; in dieser Absicht hat er den Timotheus beschnitten, während er den Galatern schrieb, dass Christus denen gar nichts nütze, die sich beschneiden liessen. Deshalb unterwarf er sich dem Gesetze, obwohl er seit dem Glauben an Christus die aus dem Gesetze kommende Gerechtigkeit als einen Schaden erachtete. Die List ist also eine gewaltige Macht; nur darf sie nicht in boshafter Absicht zur Anwendung kommen; oder vielmehr, man sollte ein solches Verfahren gar nicht List nennen, sondern in gewissem Sinne Berechnung, Klugheit, Kunst, die geeignet ist, in misslichen Lagen gar oft den richtigen Weg zu finden und Fehler der Seele zu bessern. So möchte ich nicht einmal den Phinees als Mörder bezeichnen, obwohl er mit einem Schlage zwei Menschen tötete, ebenso wenig den Elias wegen jener hundert Soldaten und ihrer Führer und wegen des anderen grossen Blutvergiessens, das er anrichtete, als er die Opferpriester der Dämonen hinschlachten liess. Wollten wir nämlich das Gegenteil zugeben und jede Tat für sich allein, losgelöst von der Absicht des Handelnden, beurteilen, dann könnte man auch den Abraham der Tötung seines Sohnes beschuldigen, sowie seinen Enkel und späteren Nachkommen verbrecherischer und arglistiger Handlungsweise zeihen. Auf solchem Wege bemächtigte sich der eine der Vorrechte der natürlichen Erstgeburt und brachte der andere den Reichtum der Ägypter in den Besitz des israelitischen Heeres. Aber so verhält es sich nicht, nein, keineswegs! Hinweg mit solch verwegenem Urteil! Nicht nur sprechen wir jene von Schuld frei, wir bewundern sie sogar wegen ihres Verhaltens. Hat doch auch Gott der Herr sie deshalb des Lobes für würdig erachtet. Denn nur derjenige verdient mit Recht ein Betrüger genannt zu werden, der die augenblickliche Lage in ungerechter Absicht ausnützt. Dagegen erweist es sich oftmals als notwendig, zu täuschen, um durch einen solchen Kunstgriff die grössten Vorteile zu erlangen. Wer aber stets auf geradem Wege sein Ziel zu erreichen suchte, hat sicherlich schon denen grossen Schaden zugefügt, die er zu überlisten unterliess. 

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Kapitel I. Kapitel II. Kapitel III. Kapitel IV. Kapitel V. Kapitel VI. Kapitel VII. Kapitel VIII. Kapitel IX.

 

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